Über das Problem für seine Schüler geeignete Lernsoftware zu finden

11. Januar 2008 | Von | Kategorie: Elearning und Edutainment, Lernsoftware

Auch wenn der Markt für Lernsoftware inzwischen gemessen an den Umsatzzahlen rückläufig ist (s. VDS Bildungsmedien), gibt es noch immer ein unübersichtliches Angebot an Lernsoftware, insgesamt ist derzeit ist nach Branchenangaben von einer Gesamtzahl von 4000 bis 5000 Produkten auszugehen.

Die derzeitige Bildungspolitik mit der Verkürzung der Schulzeit (Hochschulreife mit 12 Jahren, G8) und dem Wunsch nach Professionalisierung der Frühförderung und des Kindergartens, einhergehend mit dem Rotstift (Nichtaufstockung/ bzw. Kürzung von Mitteln in der Bildungspolitik), macht es geradezu notwendig Lernsoftware zur selbstständigen Verfestigung oder gar Aneignung von Wissen bei Schülern einzusetzen.

Ein grundlegendes Problem ist hier, dass nahezu alle Lernsoftwareprodukte damit werben, dass sie a) Lehrplänen eines Landes entsprechen und b) auch die entsprechende Zulassung als Unterrichtsmittel haben.

Doch das ist nicht unbedingt aufschlussreich in Hinsicht auf die Güte eines Programmes. Vielmehr braucht es eine Passung auf die Fähigkeiten der jeweiligen Schüler.

Auswahlhilfe: Rezensionen und Kritiken zu Lernsoftware im Internet

Grundsätzlich kommt der Auswahl von Medien bei Schülern mit speziellem Förderbedarf eine große Bedeutung zu. So wird an vielen Sonderschulen aus diesem Grund auch keine Schulfibel und kein Leselehrgangsbuch eingesetzt, weil bei den Schülern in der Klassengemeinschaft kein einheitliches Lern- und Fähigkeitenniveau vorrausgesetzt werden kann.

Die Qual der Wahl: Überangebot an Lernsoftwareprodukten und geschärftes deskriptives Kritikinventar

Ähnlich den Computerspielen gibt es eine immens große Auswahl an Lernsoftwareprodukten und täglich kommen neue dazu. Ebenso verhält es sich mit den von (Medien)Pädagogen entwickelten Katalogen an Lernsoftwarekriterien.

Kriterienkataloge hinsichtlich der Gestaltung von Lernsoftwareprodukten sind an vielerlei Orten im Internet zu finden:  Eine google Suche zu den Begriffen Lernsoftware Kriterien zeigt enorm viele Fundstellen.

Egal ob von Universitäten oder Studienseminaren formuliert: es findet sich eine große Vielzahl an teils abstrakten, teils sehr konkreten von Pädagogen ausgearbeiteten Kriterien zur Beurteilung von Software.  Diese Kriterien sind meist gut durchdacht und formulieren oftmals auch didaktische Grundforderungen hinsichtlich der Gestaltung von Software.

Das Problem: die Kriterien sind zwar argumentativ stimmig und in sich klar umrissen, aber es bedeutet beträchtlichen Aufwand für den einzelnen Pädagogen/ Lehrer den ja auch mit einem Kriterienkatalog in der Hand nichts anderes übrig bleibt als das Selbstexperiment.

Auch wenn es ausgehend von der großen Zahl an pädagogisch oder ergononisch fundierten Lernsoftwarekriterienkatalogen ein geläutertes Urteilsvermögen möglich ist: es scheint sehr fraglich ob ein Lehrer in der Praxis wirklich die Zeit hat, aus der großen Masse der ihm zugänglichen Produkte, das für seinen Schüler geeignete – quasi im Eigenexperiment – herauszufiinden.

Derartige Kriterien werden abseits von medienwirksamen Preisverleihungen von nur wenigen Stellen konsistent angewandt, geschweige denn zwingend von den großen Lernsoftwareproduzenten beachtet.  

Von daher ist es sehr zu befürworten wenn angehende Lehrer schon im Studium anhand von Lernsoftwarekriterien selbst Kritiken zu Lernsoftwareprodukten verfassen und diese auch für andere Lehrer frei lesbar im Internet publizieren. Die Auswahl von Lernsoftware ist ein weites Feld, das eine gewisse Erfahrung vorraussetzt – gerade weil der Lernsoftwaremarkt ein schnell wachsender Markt mit geringen Halbwertzeiten ist.

Seiten, die Lernsoftware beschreiben und testen

Für den schon „praktizierenden Lehrer“ der gerne an seiner Schule Lernsoftware im Unterricht nutzen möchte, ist das Internet oft der erste Anlaufpunkt.

Im Folgenden sollen hier einige Seiten vorgestellt werden, die Lernsoftware beschreiben.  Einen Großteil der unten stehenden Datenbanken gibt es schon lange – wenn auch sie nicht besonders bekannt sind bei angehenden Lehrern.

http://www.sodis.de

„Die SODIS Datenbank, ein Angebot der deutschen Länder und Österreichs, bietet einen Überblick an aktuellen neuen Medien, die für den Einsatz im Unterricht oder im Bereich der Weiterbildung geeignet sind. Zudem ist ein großer Teil dieser Produkte bewertet nach Kriterien der Nutzbarkeit im Unterricht.“ (Zitat Eigenbeschreibung)

http://www.i-cd-rom.de/

„Die i-CD-ROM Datenbank des Staatsinstituts für Schulqualität und Bildungsforschung ist ein Serviceangebot für Lehrer, Erzieher, Schüler und eine breitere interessierte Öffentlichkeit. Die i-CD-ROM dient der Information und pädagogischen Bewertung von Bildungsprogrammen auf CD-ROM, DVD und im Web nach Maßgabe standardisierter Bewertungskriterien.“ (Zitat Eigenbeschreibung)

http://www.feibel.de/

Thomas Feibel ist „führender Journalist in Sachen Kinder und Computer in Deutschland„, auf seiner Website findet man einige Lernsoftwarerezensionen. Feibel hat bis 2003 jährlich das Buch Der Kinder-Software-Ratgeber herausgegeben.

Hamburger Bildungsserver

Website „(Lern-) Softwarebeschreibungen für sonderpädagogische und integrative Aufgabenfelder“: Empfehlung geeigneter Lernsoftwaretitel aus den Bereichen
[Lese und Schreibförderung] [ Mathematikförderung ] [ Sprach-, auditive und visuelle Förderung ][ Förderschwerpunkt körperliche und geistige Entwicklung ] [ Unterstützung für Seh- und Hörgeschädigte ]

Kundenbewertungen auf Amazon

Auch auf Amazon findet sich die ein oder andere Kritik zu Lernsoftwareprodukten, die Qualität dieser ist schwankend und sollte nicht immer pädagogischen Ansprüchen genügen…

Kriterien technischer Realisation / Installationsvorraussetzungen

Ist schließlich die Lernsoftware nach bestem Wissen und Gewissen gekauft oder ausgeliehen, müssen oft noch technische Hürden genommen werden. So ist es keinesfalls sicher, dass die Oldie-Titel, die unter Windows 98 liefen, es auch auf den neuen PCs mit Windows XP oder gar Vista tun.  Auch ist es in vielen Bildungseinrichtungen für den einzelnen Lehrer nicht möglich die Software direkt auf den PCs auszuprobieren.

Warum? Weil beispielsweise nicht jeder vollen Zugriff auf alle Rechner einer Einrichtung erhält.

Wenn jeder Lehrer nach Gutdünken Software installieren könnte, wäre das schlimm und die Rechner schon bald nicht mehr nutzbar.

So installiert auch die Software die laut Werbungstext  „keine Festplatteninstallation benötigt“ oftmals noch Einträge in der Registry oder auch im Startmenu.

Von daher ist es schon vor der eigentlichen Nutzung wichtig, sich auch folgende technische Fragen zu stellen:

  • läuft die Software unter dem jeweiligen Betriebssystem? ->Packungstext
    • Wenn Sie unter 98 läuft heißt das nicht das Sie auch unter 2000/ XP läuft
    • Wenn Sie unter 2000 läuft, läuft Sie in der Regel auch unter XP
    • Wenn Sie unter 2000/ XP läuft kann es sein, dass sie nicht unter Vista läuft
  • Verfügt der Computer über die erforderlichen Hardwareanforderungen?
    • DVD-Laufwerk/ RAM / Festplattenplatz
  • Muss die Software lokal installiert werden? Ist eine Serverinstallation im Netz möglich?
  • Falls ja, braucht die Lernsoftware beim ausführen auch Hauptbenutzer oder gar Adminrechte? (wäre sehr unpraktisch, da für den Betrieb schwere Sicherheitsmängel in Kauf genommen werden müssen)
  • Muss die Original-CD im Laufwerk sein, damit die Software ausgeführt werden kann? (logistisch schlecht: es braucht für jeden Rechner eine Kopie, diese müssen dann  auch wieder entfernt werden, sonst nehmen die Kinder die mit zu sich nach Hause)
  • Habe ich überhaupt die Rechte, die Software zu installieren?
    • Oft sind die Rechner aus gutem Grund so eingestellt, dass nicht jeder alles installieren kann (s.o., Software braucht i.d.R. Mitgliedschaft in der Gruppe Hauptbenutzer oder für Installation sogar Administrator)
    • Falls die Rechte für die Softwareinstallation vorhanden sind muss geprüft werden, ob denn ausreichend Platz für die Softwareinstallation vorhanden ist.

Diese Fragen sollten vorher geprüft werden.  Sie bieten auch eine erste Grundlage, um mit dem Kollegen, welcher die Computer betreut, ins Gespräch zu kommen.

Nicht selten wird es auch so sein, dass die Installationsdatenträger dem Jenigen, der die Computer betreut, gegeben werden, damit geprüft werden kann, ob die Software überhaupt läuft bzw. keine Risiken für die Stabilität des Computerfuhrwerks der Einrichtung in sich birgt.

 

Weiterführende Links zum Artikel:

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3 Kommentare auf "Über das Problem für seine Schüler geeignete Lernsoftware zu finden"

  1. dunya sagt:

    interessanter Artikel,
    ich vor allen Dingen die Liste im letzten Teil ist gut gelungen!

    Grüße,
    Dunya

  2. […] Längst hat der Computer Einzug in Klassenräume und Kinderzimmer gefunden. Softwarehersteller bieten eine schier unüberschaubare Vielzahl an Lernprogrammen und Lernsoftware an. Gut ausgearbeitete Programme bieten hierbei die Möglichkeit, den Lern- und Lehrprozess der Lernenden und Lehrenden zu unterstützen. Jedoch bedürfen die Vielzahl der angebotenen Produkte sowohl eines definierten Anforderungsprofils als auch einer kriteriengeleiteten Analyse der jeweiligen Software im Vorfeld der Anschaffung. […]

  3. klausmaus sagt:

    lernsoftware ist gut,
    aber oftmals reichen auch schon apps – günstiger und kleiner.
    Apple nutzt die ipads auch für schulen (ja und jetzt mal nicht wieder über apple herfallen – deren apps sind nämlich gut)
    wenn es günstiger sein darf: tipp – kauft euch ipods

    tipp: der Artikel liest sich schwer, kürzere sätze wären besser

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